900 Jahre Kirche in Voitsberg

Ein gschichtlicher Überblick über die Pfarre Voitsberg.

 

Am 7. Jänner 1103 wurde in St. Lambrecht eine Urkunde ausgestellt, dir für Voitsberg die erste Nachricht kirchlichen Lebens darstellt.
Es ist keine Pfarrgründungsurkunde oder die Erinnerung an eine Kirchweihe, sondern die Besiegelung eines Rechtsgeschäftes zwischen dem damals noch jungen Benediktinerkloster St. Lambrecht und seinem Stifter, Herzog Heinrich II. von Kärnten. Der Stifter sichert in dieser Urkunde dem Kloster die Eigentumsrechte über die Kirchen von Mariahof, Weisskirchen, St. Marein im Mürztal, Lind bei Zeltweg, Adriach bei Frohnleiten, Piber und St. Margarethen in Voitsberg zu, weiters Markt- und Zollrechte von Judenburg sowie den Stadelhof Zedernitz bei der Margarethenkirche in Voitsberg.

Urkunde mit der ersten Nennung der Margarethenkirche
Urkunde mit der ersten Nennung der Margarethenkirche

Es handelt sich dabei durchwegs um längst bestehende Einrichtungen, Gebäude und Güter. Neben Aflenz, Veitsch und Mariazell sowie das unmittelbare Gebiet um St. Lambrecht gehören die oben genannten Gebiete zum Kernbereich des Lambrechter Stiftsbesitzes und damit auch CSt. Margarethen bei Voitsberg. Die Stadt Voitsberg sollte auch erst in den folgenden Jahren entstehen, auch die Burg. Das ist auch einer der Gründe, warum die älteste Kirche der Stadt außerhalb des heutigen Zentrums errichtet wurde. Umso bedauerlicher ist der Umstand, dass 1890 durch die Ausweitung der Bergbaubetriebe die älteste CGebäude und bescheidene Pläne.
Der Standort ist auf den ältesten Katasterplänen noch feststellbar und daher auch heute noch im völlig veränderten Gebiet südöstlich der Stadt der ehemalige Standort. Der folgende Beitrag geht vor allem den Spuren dieser Margarethenkirche nach und zeigt ihre Stellung im Lauf der Jahrhunderte bis zur Demolierung im Jahre 1890.

Die Pfarre Voitsberg im Mittelalter

Die älteste Kirche in der nördlichen Weststeiermark ist jene zu Piber. Sie wurde bereits um 1066 mit Pfarrrechten bedacht und 1103 dem Hauskloster der Eppensteiner, dem Benediktinerstift St. Lambrecht übertragen.

Gemälde in der Mutterpfarre Piber
Gemälde in der Mutterpfarre Piber

Mit der Schenkung des Piberer Gebietes im Jahr 1103 an das Stift St. Lambrecht beginnt auch die eigentliche fassbare Geschichte der Pfarre St. Margarethen in Voitsberg.
In der Urkunde von 1103 wird neben beiden Kirchen auch noch der Stadelhof Zederniza genannt. Dessen Güter lagen außerhalb der Stadt Voitsberg am Tregistbach, wo sich eine wichtige Bachüberquerung einer alten Straße befand. Da die Margarethenkirche und der Stadelhof immer gemeinsam genannt werden, ist darunter eine gemeinsame Anlage zu verstehen, die allerdings außerhalb des ursprünglichen Stadtgebietes lag.
Der Kernbereich des Stadelhofes und der Margarethenkirche blieb von der Gründung bis 1890 unverändert. Er lag unmittelbar rund um die Kirche; der Stadelhof wird neben der Kirche auf dem Platz des späteren Pfarrhofs anzunehmen sein.
Das Ausmaß der dazugehörigen Grundflächen dürfte den gesamten Bereich zwischen Tregistbach, Kainach und Heiligenstattkirche eingenommen haben. Als wesentliches Kriterium dafür wäre der Bestand Kirchenäcker geltend zu machen, die zuletzt im Besitz der Michaelskirche waren, ehe sie in jüngster Zeit veräußert wurden. Diese Kirchenäcker lagen zwischen der heutigen Hauptstraße und der Kainach. Die Felder zwischen der Margarethenkirche und der Hauptstraße hießen 1822 Straßenäcker, wovon zuletzt nur noch eine Parzelle Eigentum der Michaelskirche war.
Der Großteil dürfte schon im Spätmittelalter der Margarethenkirche entfremdet worden sein. Auch der Übergang der Kirchenäcker vom Bestand der Margarethenkirche in den Besitz der Michaelskirche ist nicht genau datierbar. Er erfolgte aber sicher noch im Spätmittelalter. Jedenfalls war das Stift St. Lambrecht, das 1103 diese Güter von Herzog Heinrich II. von Kärnten geschenkt erhalten hatte, in dessen Besitz nicht unangefochten. Heinrichs Witwe Sophie, später verehelichte Gräfin Schala, machte dem Stift den geschenkten Besitz streitig. In dieser Auseinandersetzung erzielte Salzburg im Jahr 1151 zwar einen Vergleich, jedoch dauerte die Angelegenheit noch etliche Jahre, ehe Erzbischof Adalbert von Salzburg bestätigen konnte, dass Abt Berenger von St. Lambrecht im Jahre 1196 die von seinem Stift entfremdete Pfarre St. Margarethen wieder in Besitz nehmen konnte.
Schon 1219 dotierte Erzbischof Eberhard II. von Salzburg seine neugegründete Diözese Seckau mit den Pfarren St. Andreas und St. Margarethen im Pibertal. Damit war den St. Lambrechtern ein neuerlicher Eingriff in ihr eben erst nach vielen Mühen zurückerhaltenes Besitztum zugefügt. Jahre später kam es zu einem weiteren Streit, denn der Pfarrer von Piber beanspruchte auch die Pfarrrechte über das Gebiet von St. Margarethen.
Am 21. August 1268 forderte nun Bischof Wernhard von Seckau den Völkermarkter Propst auf, die ergangene Entscheidung über die Selbstständigkeit der Pfarre St. Margarethen zu Voitsberg mit der Filiale St. Michael gegen die Ansprüche des Pfarrers Seifried von Piber geltend zu machen.

St. Michael
St. Michael

Schließlich beurkundet der Abt von St. Lambrecht am 20. September 1268 das Urteil im Pfarrrechtstreit zwischen den Pfarrern Seifried von Piber und Gottfried von Voitsberg zu Gunsten des Letzteren, wie es der Bischof von Seckau entschieden hatte: St. Margarethen zu Voitsberg ist eine selbstständige Pfarrei und St. Michael in Voitsberg eine Filiale von St. Margarethen.
Die 1268 erstmals genannte Kirche St. Michael in Voitsberg wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet, als die heutige Stadt entlang des langgezogenen Straßenplatzes angelegt wurde.
Ihr ursprünglicher Baustil ist jenem der Pfarrkirche in Piber sehr ähnlich, nur wurde die Michaelskirche in gotischer Zeit entscheidend verändert. Nochmals kam es 1309 zum Streit um die Besetzungsrechte der Pfarre von St. Margarethen zu Voitsberg. Papst Clemens V. beauftragte die Äbte von Ossiach und St. Paul den Streitfall zu schlichten. Daraufhin wurde der Pfarre Voitsberg wiederum deren Eigenständigkeit zugesichert.

Aus dem pfarrlichen Leben

Bis zur Reformation wirkten Weltpriester als Pfarrer in Voitsberg. Als 1395 an der Stelle das alten Bürgerspitals das Karmelitenkloster gegründet wurde, legte der damalige Pfarrer dagegen Protest ein, wurde jedoch 1401 mit 150 Pfund Wiener Pfennig abgefunden. Dies war deshalb notwendig geworden, weil sich der Pfarrer wegen der Zuweisung der Stiftungen am Bürgerspital an das Karmelitenkloster in seinen Einkünften geschmälert wähnte. Obwohl nach wie vor die Margarethenkirche Sitz der Pfarre Voitsberg war, versuchte die Bürgerschaft immer wieder, die Michaelskirche zum Sitz der Pfarre zu machen.

Die Margarethenkirche und der umliegende Friedhof
Die Margarethenkirche und der umliegende Friedhof

Am 14. Mai 1538 wurde ein Streit in dieser Angelegenheit dahingehend entschieden, dass St. Michael die neue Pfarrkirche sei und St. Margarethen eine Filiale. Daher wurden in der Folge alle wichtigen liturgischen Handlungen und Prozessionen in der Michaelskirche gehalten. Beide Kirchen hatten schon lange Zeit ihre eigenen Friedhöfe; St. Michael für die Bürger der Stadt und St. Margarethen für die eingepfarrten Landorte. Dennoch scheint sich die Regelung von 1538 in der Folge nicht durchgesetzt zu haben: Das Visitationsprotokoll von 1545 nennt wieder den alten Zustand.
Die Verlegung des Pfarrsitzes an die Michaelskirche war wohl ein Vorbote für die Auswirkungen der Reformation in der Stadt gewesen, wo das Bürgertum der neuen Lehre durchaus aufgeschlossen gegenübertrat. Die noch erhaltenen Grabdenkmäler an dieser Kirche weisen viele Merkmale protestantischer Geisteshaltung der Bürgerschaft auf. Die von 1572 bis 1580 in Voitsberg nachweisbare protestantische Lateinschule belegt diese acht Jahre als Blütezeit des neuen Glaubens in der Stadt, wenngleich die wahren Zentren der Reformation in Ligist bzw. in Köflach lagen.
In Voitsberg gab der katholische Klerus selbst durch sein Verhalten mehrfach Anlass zu Klagen. So u.a. auch 1564, als Richter und Rat gegen Pfarrer Marx Weibshauser auftraten, der den Pfarrhof und den Stadel nicht herrichten wollte, keine Steuern zahlte, keinen Kaplan anstellen ließ und selber viel auf Reisen war.
Eine so auf sich gestellte Pfarrgemeinde war natürlich Einwirkungen von außen durchaus aufgeschlossen. Die landesfürstliche Gegenreformationskommission weilte am 10. April 1600 in der Stadt und verbrannte immerhin 200 Sektische Bücher. In der Folge musste die Bürgerschaft auch den Religionseid ablegen.

Die Pfarre zur Zeit des Karmelitenordens

Augenscheinliches Zeichen der neuen religiösen Haltung war vor allem der Umstand, dass Bischof Martin Brenner die Pfarre Voitsberg schon 1598 dem örtlichen Karmelitenkloster zur Seelsorge anvertraut hatte, was vorerst nur provisorische, im Jahr 1607 jedoch endgültige Rechtskraft erlangte.
Gleich den Bürgern der Stadt wünschten auch die Karmeliten als Pfarrer die Verlegung des Pfarrsitzes an die Michaelskirche. So wurde bis 1633 der Hauptgottesdienst an Sonn- und Feiertagen stets in der Michaelskirche gehalten, hier wurden das Allerheiligste aufbewahrt, die Sakramente gespendet und von hier aus nahmen auch die Prozessionen ihren Anfang und kamen hierher zurück.
Die Absicht St. Michael zur Stadtpfarrkirche und St. Margarethen zur Landpfarrkirche zu erklären, wie es 1625 versucht wurde, zeitigte beim Abt von St. Lambrecht keinerlei Verständnis. Das Stift befand auf die Belassung des alten Zustandes, was 1643 zur Eskalation zwischen dem Karmelitenkloster und dem Stift führte. Schließlich entzog der Abt den Karmeliten die Seelsorge an der Margarethenkirche und übertrug die Pfarre einem Priester aus Piber.
Bis 1663 galt wieder die alte Ordnung, jedoch setzten sich die Bürger der Stadt insofern durch, als sie die althergebrachte Gottesdienstordnung in St. Margarethen dahingehend verändern ließen, dass nun die Hauptgottesdienste abwechselnd in beiden Kirchen gehalten werden konnten. Anlässlich einer Visitation durch den St. Lambrechter Abt verwehrten die Bürger der Stadt diesem den Eintritt in die Michaelskirche, da sie der Meinung waren, die Michaelskirche unterstünde dem Landesfürsten, weshalb sie vom Seckauer Bischof zu visitieren sei. Tatsächlich unterließ das Stift hier vorläufig eine Durchsetzung ihres Rechts und nahm die momentane Überlegenheit der Voitsberger Bürgerschaft ohne Gegenmaßnahme stillschweigend hin. Gelegentlich der stiftischen Visitation von 1682 stellte der Abt fest, dass nach wie vor in beiden Kirchen abwechselnd die Hauptgottesdienste gehalten wurden. Allerdings waren die kirchlichen Hauptfeste von dieser Regelung ausgenommen; an diesen Tagen wurde nur in der Michaelskirche gefeiert, hingegen zu Dreikönig und am Margarethentag nur in St. Margarethen.
Jedenfalls blieb der Abt mit der Seelsorge durch die Karmeliten unzufrieden und drohte mehrmals dem Orden, ihm die Pfarre zu entziehen. Die Karmeliten erinnerten den Abt in einem Verteidigungsschreiben vom 31. August 1717 besonders an ihre Verdienste im Zuge der Gegenreformation und zur Zeit der dreimaligen Pestepidemie, wo sie ihre Ordensmitglieder durch die Seelsorge der Ansteckungsgefahr ausgesetzt hatten.
Aber auch der Visitationsbericht vom 21. Juli 1727 fiel nicht besonders schmeichelhaft für die Karmeliten aus. Er vermittelt den Eindruck, als wollte man die Margarethenkirche tatsächlich sukzessive demontieren. Besonders arg war es aber im dortigen Pfarrfriedhof, wo weder ein Kreuz aufgestellt, noch der Platz von Steinen und Unkraut gereinigt war. In der Friedhofkapelle herrschte große Unordnung, auch in der Margarethenkirche selbst wurden die Andachten und Gottesdienste nicht gehalten. Besonders beklagten sich die Pfarrleute der Umgebung der Stadt, da sie an den Hochfesten keinen Gottesdienst in ihrer Kirche hatten.
Das folgende Visitationsprotokoll von 1752 lässt nur geringfügig Änderungen der Zustände erkennen. Zwar hatte man alle 1727 beanstandeten baulichen Gebrechen behoben, doch beklagten sich die Pfarrleute der Umgebung abermals, sie hätten keinen Gottesdienst, wenn die Karmeliten an ihren Ordensfesten ihre feierlichen Zeremonien in ihrer Klosterkirche abhielten.
Mit der Eröffnung der barocken Klosterkirche war der alten Margarethenkirche auch in baulicher Hinsicht zur Michaelskirche ein weiterer Konkurrent erwachsen. Während die Klosterkirche durch den Orden selbst sowie die vielen Stiftungen und Sammlungen erhalten wurde, gab die Bürgerschaft ihren Anteil vor allem für die Michaelskirche. Was blieb, waren die eher kleineren Gaben der bäuerlichen Bevölkerung des Umlandes der Stadt. Entsprechend gering waren auch Einkünfte und Vermögen der Margarethenkirche. Dennoch war das religiöse Leben rege. Es gab z.B. alljährlich mehrere Wallfahrten nach Staßengel sowie Weinberg- und Feldersegnungen. Prozessionen von auswärts kamen nach St. Margarethen vor allem aus Piber, Ligist und Stallhofen. Als einzige Bruderschaft wird an der Margarethenkirche jene zu Ehren des hl. Rosenkranzes erwähnt, die am 21. November ihr Hauptfest hatte.
Die Bruderschaften an der Michaelskirche hatten eine wesentlich längere Tradition. Vor der Reformation gab es die Sebastian- und Barbarabruderschaft, die 1494 erstmals urkundlich bestiftet wurde. Sie dürfte aber älter sein, denn 1475 erlangte der Barbaraaltar einen umfangreichen Ablass mehrerer Kardinäle. Schließlich wurde 1503 und nochmals 1530 ein eigener Kaplan für diese Bruderschaft eingesetzt. Dennoch dürfte sie ein Opfer der Reformation geworden sein, denn später scheint sie nicht mehr auf. Im Jahre 1758 gab es neben einer Michaelibruderschaft auch eine Josefi-, Skapulier-, Mariatrost-und Straßengelbruderschaft, und 1781 wird an der Klosterkirche die Bruderschaft Jesus, Maria und Josef erwähnt.

Während nun im ausgehenden 18. Jahrhundert die Bürgerschaft der Stadt ihr religiöses Zentrum vor allem in der Michaelskirche sah, war die Margarethenkirche für die Bewohner von Wöllmiß, Arnstein, Kowald, Thallein, Lichtenegg, Lobming, Lobmingberg, Tregist, Dirnberg und Teigitschgraben nach wie vor ihre Pfarrkirche, wie aus dem Verzeichnis der eingepfarrten Orte von 1785 hervorgeht.

Doch schon zu dieser Zeit traten größere Bauschäden an der Margarethenkirche auf, weshalb das Grazer Kreisamt am 7. Dezember 1786 beantragte, die Margarethenkirche wegen Baufälligkeit abzutragen. Doch konnte die Pfarrgemeinde 1790 eine Sperre verhindern und 1792 die Wiedereröffnung erreichen, aber die ehedem üblichen Fastenfreitagsandachten wurden nicht mehr genehmigt.
Nachdem für St. Michael und St. Margarethen stets nur ein Pfarrer aus dem Karmelitenkonvent gestellt wurde, ist nicht feststellbar, wann bzw. ob überhaupt der Pfarrsitz von St. Margarethen jemals nach St. Michael übertragen wurde. Tatsache ist jedoch, dass die Bürger der Stadt seit der Gegenreformation - oder auch schon früher - die Michaelskirche als ihre Kirche betrachteten und die Landbevölkerung an der Tradition der Margarethenkirche eisern festhielt. Seit 1625 wurde die Fronleichnamsprozession stets bei St. Michael gehalten, doch wurde diese Prozession am jeweils darauffolgenden Sonntag bei St. Margarethen wiederholt. Mit Verordnung vom 8. Mai 1808 wurde diese Sonntags-Prozession noch einmal genehmigt, dann verlieren sich die Spuren. Das religiöse Leben an der Margarethenkirche ging nun recht bald zurück. So wurde schon 1827 keine Fronleichnamsprozession gehalten; d. h. die Gläubigen der Landgemeinden nahmen an der städtischen Prozession teil. Wohl aber wurden weiterhin am Veitstag (15. Juni) und am Sonntag vor Margarethen (20. Juli) die Prozession, eine Predigt und das Hochamt gehalten.
Im Jahr 1812 wurde das Karmelitenkloster Voitsberg aufgehoben und damit auch die Pfarrseelsorge wieder Weltpriestern der Diözese Seckau übertragen. Aus dem Religionsfonds wurden ein Pfarrer und drei Kapläne dotiert und der Nordtrakt des Klosters als Pfarrhof bestimmt. Zugleich erfolgte eine Regulierung des Pfarrbezirkes dahingehend, dass die Voitsberger Landpfarre bei der Margarethenkirche endgültig aufgehoben und der Stadtpfarre unterstellt wurde. Einzige Pfarrkirche war fortan die Josefskirche, Filialkirchen die Michaelskirche, St. Margarethen und die kleine Kirche in Heiligenstatt. Mit dieser Neuordnung waren auch die Pfründengebäude an der Margarethenkirche überflüssig geworden und sollten 1816 zum Verkauf gelangen, doch wurden sie schließlich dem Lehrer an der Pfarrschule zugewiesen.

Die Abtragung der Margarethenkirche

Schon mehrfach waren an der Kirche größere Baugebrechen aufgetreten, die von der Pfarrgemeinde stets auf deren Kosten zu beheben waren. Dabei tat sich vor allem die sogenannte Landpfarre besonders hervor, nachdem bereits 1812 der Kirche die Pfarrrechte entzogen wurden und zur Josefskirche verlegt worden waren.

Im Jahr 1852 hatte sich die Bevölkerung wiederum bereit erklärt, die baufällige Kirche auf ihre Kosten herzustellen. Da sich die Ausführung verzögert hatte, stellte 1859 die Baukommission aus Graz gröbste Mangel fest, vor allem große Sprünge am Mauerwerk, wodurch die Einsturzgefahr, vor allem an der Nordwand, immer größer wurde.

Schließlich wurde am 23. März 1860 die Sperre verordnet. Trotz mehrerer Versuche des Stadtpfarrers, eine Wiederherstellung zu erreichen, blieb das Los des Gebäudes vorläufig ungewiss.

In der Zwischenzeit rückte aber der Kohlebergbau Zangtal, betrieben von der Graz - Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft (GKB) immer näher und es wurden 1873 bereits etliche Grundstücke der Kirchenpfründe abgelöst.

Schließlich erfolgte 1876 im Bereich der Kirchengründe ein großer Einbruch der Stollen und so musste der Dechant auf Ablöse und Entschädigung drängen. Wenn auch vorerst mit einer Verpachtung das Auslangen gefunden werden konnte, so wurde bereits am 5. Jänner 1880 die Gesamtablöse rechtskräftig. Die GKB drängte weiterhin auf den gänzlichen Verkauf der Kirchengründe und betrieb schließlich zwangsweise ein Enteignungsverfahren. So blieb der Pfarre als sinnvoller wirtschaftlicher Ausweg nur noch der Verkauf, womit auch das Schicksal der ältesten Kirche Voitsbergs unmissverständlich klar wurde.

Durch den 1888 eröffneten neuen Stadtfriedhof schien zuletzt auch die Frage des Friedhofs rund um die Margarethenkirche gelöst, wenngleich bis 1890 noch immer vereinzelt Totenmessen in St. Margarethen gehalten wurden. Die Abtragungskommission trat am 14. Juni 1890 in der Margarethenkirche zusammen. Dies war der letzte offizielle Akt, bevor mit dem Abtragen und Demolieren begonnen wurde.

Gottfried Allmer, Historiker

Die ehemalige Margarethenkirche

Mit der frühesten urkundlichen Nennung der Margarethenkirche im Jahr 1103 ist auch die Existenz des Gebäudes als gesichert anzunehmen. Umso bedauerlicher ist es, dass gerade die älteste Voitsberger Kirche nicht mehr erhalten ist. Wie alte Fotos zeigen, befand sich die Margarethenkirche mit dem Pfarrhaus und dem Friedhof im Südosten der Stadt, außerhalb der Stadttore in der KG Tregist.

Als Konservator Johann Graus 1889 diesen Bau besichtigte, stellte er folgenden Zustand fest: "Sie dürfte sehr alt sein, das flach gedeckte Schiff reicht sicherlich in die romanische Stilperiode zurück, der kurze Chor gehört der Spätgotik an und ist polygonal konstruiert".

Ähnlich äußert sich A. Janisch nur kurze Zeit vorher: "Die Kirche St. Margarethen ist ursprünglich im romanischen Style erbaut, mit flacher Decke und wurde später durch Einsetzen eines gothischen Gewölbes mit Halbsäulen in eine gothische umgestaltet, wie dies vom Kirchenboden aus zu entnehmen ist. Sie ist einschiffig und enthält einen Haupt- und zwei Nebenaltäre sowie eine Taufkapelle".

Neben diesen Beschreibungen sind auch eine Grundrisszeichnung und etliche Fotos aus der Zeit vor der Abtragung erhalten.

Grundrissplan der Margarethenkirche
Grundrissplan der Margarethenkirche

Umso spärlicher sind die schriftlichen Quellen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte. Das älteste Kircheninventar stammt aus dem Jahr 1811 und ist trotz seiner Kürze ein wichtiges Dokument. Darin werden der Hochaltar mit dem Margarethenbild erwähnt, weiters ein Marienaltar, ein Kreuzaltar, eine Orgel mit acht Registern sowie drei Glocken, von denen eine sehr alt, die beiden anderen 1719 bzw. 1772 angeschafft wurden.

Die Visitationsberichte von St. Lambrecht belegen, dass besonders bei den Seitenaltären mehrfach Änderungen vorgenommen wurden. So wird 1682 berichtet, ein Altar sei dem hl. Veit, der andere dem hl. Wolfgang geweiht. Am 21. Mai 1727 wurden alle drei Altäre von Abt Kilian aus St. Lambrecht neu geweiht, so dass man eine vorangegangene Neugestaltung annehmen kann. Neben dem Hauptaltar zu Ehren der hl. Margaretha wurden diesmal die Seitenaltäre den hl. Veit und Georg geweiht.

Anlässlich der Visitation von 1752 ist auch von einem Marienaltar die Rede. Zu dieser Zeit war die Wolfgangskapelle am Friedhof schon als Beinhaus in Verwendung.

ie Margarethenkirche kurz vor der Abtragung im Jahre 1890
Die Margarethenkirche kurz vor der Abtragung im Jahre 1890

Das Abtragungsprotokoll von 1890 vermerkt an Altarbildern das Margarethenbild, ein Veitsbild, eines des hl. Dominikus, weiters das Bild Taufe Jesu durch Johannes, welches sich in der Taufkapelle um Turmuntergeschoss befand. Die Kreuzwegbilder wurden als unbedeutend eingeschätzt. Von den Seitenaltären wurden die Statuen der hl. Benedikt und Nikolaus erwähnt, während die Statuen des Hochaltares, Barbara und Walburga darstellend, bereits in die Josefskirche übertragen waren.

Innenansicht der Margarethenkirche - die Demolierung hat bereits begonnen

Innenansicht der Margarethenkirche - die Demolierung hat bereits begonnen
Innenansicht der Margarethenkirche - die Demolierung hat bereits begonnen

Als ein Fotograf 1890 knapp vor der Abtragung der Kirche den Raum betrat, war der Hochaltar schon abgebaut, Kanzel und Seitenaltäre jedoch noch zu sehen. Die Kanzel war an der linken Seite des Fronbogens angebaut, am Kanzelkorb sind die Reliefbilder der vier Kirchenlehrer zu erkennen, am Schalldeckel zwei Engel und die Heiliggeisttaube.
Der sichtbare Bestand an den Seitenaltären stimmt mit dem Abtragungsprotokoll überein. Dem Stil nach stammte der rechte Seitenaltar aus der Zeit um 1727, der linke aus 1752. Soweit den erhaltenen Fotos zu entnehmen ist, war das Langhausgewölbe durchwegs mit Fresken geschmückt, ebenso der Fronbogen und der gotische Chorbau; am Fronbogen ist das Letzte Abendmahl zu erkennen. Hier befindet sich auch folgende nur teilweise leserliche Inschrift (siehe Bild unten), die an Bauschäden und deren Wiederherstellung im Jahr 1832 erinnert:

Es fVhr Der BLItz aVf Den ThVrM
Vnd hat dVrCh die ErsChütterVng
das Gewölb der KirChe gesenkt und
(ergibt 1831)

aVf VeranstaltVng Des OrtsdeChant
Alois Kurz Vnd KlrChenprobst Sim. Kraindl
wieder zVM GotteshaVs ein ...C...
(ergibt 1832)



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